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Pure Frucht – Spanische Rotweine mit wenig Holz

Frucht und Terroir – so lauten die Schlüsselwörter der zeitgenössischen Weinbereitung. Ganz in diesem Sinne richten Spaniens Winzerinnen und Winzer ihr Augenmerk immer mehr auf klare und puristische Weinstile. So verwundert es nicht, dass den Rotweinen ohne kräftigen Holzeinsatz eine immer stärkere Rolle zukommt.

Man könnte es auch so formulieren: endlich mal ein Trend, der für den normalen Weinkonsumenten nachvollziehbar ist. Insbesondere das jüngere Publikum, welches heute vielmehr Vergleichsmöglichkeiten hat als die alten „Weinnasen“ in früheren Jahren, verlangt nach natürlicheren und klarer ausgerichteten Gewächsen, bei denen nicht das Beiwerk Holz entscheidend mitbestimmt, sondern die Traube selbst, so dass Frucht und Boden zu bestimmenden Faktoren werden. In gewisser Weise wirkt der Verzicht auf Holz entmystifizierend, der Wein legt sein Korsett ab und zeigt sich so, wie er eigentlich aus der Kelter läuft, frisch, duftig, ein Feuerwerk aus purer Natur. Insofern rennt der „Weg vom Holz-Trend“ gerade bei der nachrückenden Generation offene Türen ein. Denn Wein pur ist einfach eine leckere Sache.
 
Spanischer Wein – ein Synonym für Frucht
Spaniens autochthone rote Sorten haben einen gemeinsamen Nenner: sie zeichnen sich allesamt durch einen intensiven Fruchtausdruck aus. In Spanien haben sich die Weinmacher in den letzten beiden Jahrzehnten intensiv mit dem Charakter ihrer heimischen Rebsorten auseinandergesetzt, was dazu geführt hat, dass man sich verstärkt auf die charakterlichen Stärken der jeweiligen Traube konzentriert. Und um diese verstärkt in den Vordergrund zu stellen, überdenken die Winzer ihre Weinbereitungskonzepte. 
 
Die neuen Puristen im Priorato
Nahe liegt natürlich, dass es eher die subtilen und feinen Rebsorten sind, die es dem Weinmacher besonders danken, wenn er sich beim Holzeinsatz zurückhält. Umso mehr mag erstaunen, dass gerade in einem Anbaugebiet wie dem Priorato mit seinen mächtigen und konzentrierten Weinen, die neuen Puristen zumindest momentan noch stärker auftreten als am Ebro oder im Süden des Landes. Dies erklärt sich zum einen durch die Erzeugerstruktur: junge und freie  Weingeister, die sich wenig um starre Profile und das Diktat des Mainstreams scheren. Zum anderen steht dem muskulösen Priorato-Typ ein purer Stil besonders gut, denn ungeschminkte Frucht und Terroir können bei aller Kraft durchaus erfrischend und agil wirken. In diesem Licht gesehen erscheint gerade im Priorato die Tendenz einiger Weinmacher, sich vom Ausbau im Barrique zu distanzieren ganz und gar nicht paradox.
 
Garnacha kraftvoll…
Der Tonus bei immer mehr Weinmachern des Priorato lautet deswegen: weg vom Holztannin hin zu mehr Rebsortenausdruck und Klarheit. Viele Weinmacher sind zur Überzeugung gelangt, dass die Garnacha entgegen ihrem Ruf eine ausgeprägt feine Sorte sei, und als solche auch behandelt werden sollte, nämlich indem man einen viel schonenderen Ausbau im Fuder statt im kleinen Holz vornimmt. Dieser Trend könnte das Verständnis für Priorato-Weine neu definieren: Frucht, Eleganz, Komplexität, weniger offensichtliche Konzentration und ausbalancierte PH-Werte, soll heißen eine festere natürliche Säure. Die Garnacha zeigt sich weiterhin kraftvoll, nur schöpft sie ihre Ausdruckskraft aus sich selbst heraus.
 
…und Garnacha fein
Auffallend bei nahezu all diesen neuen Garnachas ist, dass die Weinmacher technisch gesehen einen Retrostil praktizieren, der an traditionell französische Kellerarbeit anlehnt. Insbesondere das Vergären in offenen Holzgebinden erinnert an französische Klassik. Einige Weinmacher setzen zwar Barriques ein, bauen aber parallel in großen Gebinden aus, um etwaige Holzexzesse in der finalen Cuvée ausgleichen zu können. Insbesondere das Säurespiel am Gaumen ist bei allen so ausgebauten Weinen eine Offenbarung, da es ungestört durch Holzadstringenz einen Eindruck von delikater Saftigkeit hervorruft.
 
Prädestiniert für Eleganz
Eine andere Art von Eleganz als die der lange unterschätzten Garnacha hat die bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gänzlich unbekannte rote Mencía zu bieten. Wie aus dem Nichts tauchte sie auf und begeisterte schnell ein elitäres Publikum. Die späte Wiedergeburt dieser Sorte muss in Punkto Ausbau als großes Glück betrachtet werden, denn die unkontrollierte Barrique-Mode brach nie massiv über die Mencía-Anbaugebiete herein. Dies hat sicherlich auch mit dem Charakter der Rebsorte zu tun, denn der mittelschwere Körper und das eher locker gewobene Tannin-Netz laden nicht zu Überextraktionen bzw. zu betont ausgedehnten Maischestandzeiten ein. Ähnliches gilt in diesem Sinne auch für den Holzeinsatz.
 
Non-Interventionismus
Die D.O. Bierzo erwies sich im Laufe der zwei vergangenen Jahrzehnte als idealer Nährboden für Weinabenteurer aller Art. Auch wenn hier kein einheitlicher Trend auszumachen ist, fällt doch auf, dass fast alle Mencía-Weinmacher deutlich von holzgeprägten Weinen Abstand nehmen. Im Mittelpunkt steht der Respekt gegenüber dem Terroir und seiner Traube. Dass sich bei den Weinen das Holz im Hintergrund hält, versteht sich von selbst. Man könnte diesen Arbeitsstil, der unter der jungen spanischen Weinmachern immer mehr Anhänger findet, als Non-Interventionismus bezeichnen, d.h. der Weinmacher formt den Wein so wenig wie möglich und lässt den „reinen“ Wein für sich selbst sprechen. Inzwischen gibt es im Bierzo auch Projekte, die ganz auf den Holzausbau verzichten.
 
Große Eichengebinde auf dem Vormarsch
Viele Kellereien Spaniens haben sich zurückbesonnen auf große Holzgebinde, in denen mittlerweile die gehobenen roten Qualitäten vergoren werden. In gewisser Weise zeigt diese Rückkehr zur traditionellen Gärung im Holz den angenehmen Nebeneffekt, dass so mancher Weinmacher diese großen Holz-Cuves auch als Alternative zum Barrique begreift. Dieser Retro-Stil wird nach Ansicht spanienerfahrener Marktbeobachter in naher Zukunft viele Weine vor allem aus kleinen und mittelgroßen spanischen Kellereien prägen. Denn wenn unter den vielen Neuschöpfungen, welche das spanische Weinangebot in den vergangenen Jahren bereichert haben, ein klarer Trend auszumachen ist, dann ist es die Bekenntnis zur Klarheit, zur Feinheit und wenn man so will zu einem „reineren Wein“.
 

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