Ethno Food
Exotik auf dem Speiseplan
Wörtlich bedeutet Ethno Food „Volksnahrung“. Volksnahrung aber weniger im Sinne einer heimischen Küche, sondern als Bezeichnung für Gerichte, die aus (für uns) eher exotischen Ländern kommen.
Ethno Food kennzeichnet zugleich auch eine Distanzüberwindung. Es drückt aus, dass man auch zu Hause die Spezialitäten genießen will und kann, die man aus fremden Ländern kennt. Da ist es kein Wunder, dass in Deutschland, dem Land der Reiseweltmeister, immer mehr fremde Küchen heimisch werden.
Begonnen hat diese Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere mit dem aufblühenden Tourismus in den 60er und 70er Jahren. Die damals noch neuen kulinarischen Entdeckungen, die deutsche Urlauber in Italien oder Spanien machten – Pizza und Paella etwa – gelten für uns mittlerweile kaum noch als exotische Gerichte. Vielmehr weitet sich die Ethno-Food-Welle in andere geographische Gefilde aus.
Ein grenzenloses Angebot
Das multikulturelle gastronomische Angebot ist heute ungemein vielfältig. Zumindest in den Metropolen. Wo es sonst den Italiener um die Ecke, einen Griechen und vielleicht noch ein China-Restaurant gab, hat der hungrige Großstädter heute die Qual der Wahl. Geht er in der Mittagspause in die Sushi-Bar oder doch lieber schnell ein Empanada beim Mexikaner um die Ecke essen? Soll’s ein Döner sein oder ein pikant gewürzter Garnelen-Spieß? Bei aller Vielfalt fällt eines auf: Die Ethno-Küche setzt mehr auf das Kleine und Leichte. Und damit wird sie den Ansprüchen der heutigen Esser vielleicht eher gerecht als das traditionelle Schnitzel mit Kartoffelsalat. Denn eines ist unbestritten: Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung geht einer körperlich wenig anstrengenden Tätigkeit nach. Somit wird weniger an Kalorien verbrannt. Hinzu kommt die wachsende Freude an Freizeitsport und Fitness. Ethno-Food liegt also voll in diesem Gesundheitstrend.
Kein deutsches Phänomen
Dass der Vormarsch der Ethno-Küche übrigens kein einzig deutsches Phänomen ist, zeigt ein kurzer Blick über die Grenze. Auch in den Nachbarländern wird die Infragestellung bzw. Auflösung traditioneller Küche leidenschaftlich diskutiert. In Frankreich, der „grande Nation“ der Kochkunst, ist ein heftiger Streit unter Köchen entbrannt, ob die klassische Küche durch fremde Gewürze „entweiht“ werden darf. In London, mittlerweile die Hauptstadt des Trends, trumpfen junge Köche dagegen selbstbewusst mit einer Küche auf, die sie „Modern British“ nennen. Sie kombinieren dabei ganz ungeniert feine mediterrane Leichtigkeit mit traditionellen englischen Rezepten wie Pies, Puddings und Stews und integrieren dazu auch noch fernöstliche Gewürze. Heraus kommen dabei zum Beispiel gegrillte Herzmuscheln mit Ingwer oder Lamm mit Linsen und Petersilienmousse.
Convenience ist unverzichtbar
Nachdem sich in den letzten Jahren alle Welt der asiatischen Küche zugewendet hat, diese Begeisterung nach wie vor anhält und ein immer breiteres Angebot beschert, werden jetzt neue Küchen entdeckt. Momentan ist wohl die TexMex-Küche der kulinarische Shooting-Star und überzeugt besonders mit ihren einfach(en) köstlichen Snacks wie Burritos, Tacos und Tortillas hiesige Genießer. Auch sie hat sich mittlerweile fest etabliert. Die Supermärkte sind voll von Ethno-Spezialitäten und für die Gastronomie hält die Industrie eine Vielzahl von Convenience-Produkten bereit. Das ist auch notwendig, denn viele Zutaten für die fremden Gerichte sind hier nicht zu bekommen. Ethno-Food hat also seinen festen Platz erobert. Bleibt abzuwarten, welche Gerichte und Zutaten sich wirklich auf Dauer halten.
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